E-Bike-Akku überwintern

E-Bike-Akku überwintern

Januar 25, 2022 Akku-Wissen 0
Emojis von Schneeflocken, einem Fahrrad und einer Batterie vor hellblauem Hintergrund. Rechts oben ist der schwarze Schriftzug "E-Bike-Akku überwintern".

Immer wieder werde ich im Frühjahr angesprochen, wenn der Akku von einem E-Bike kaum oder gar nicht mehr funktioniert. Häufig sind das auch Fälle, bei denen der Akku zwar grundsätzlich noch Energie liefert, die Kapazität aber schon so starke Einbußen erlitten hat, dass die Reichweite beim Radeln enorm knapp geworden ist. Mit dem richtigen Vorgehen beim E-Bike-Akku überwintern, lässt sich so etwas verhindern.

In meinem neuen Video gebe ich ein paar Tipps, wie der E-Bike-Akku über den Winter behandelt werden sollte, damit er im Frühjahr wieder fit für die erste Ausfahrt ist. So kommt dann auch kein Frust wegen einem defekten Pedelec-Akku auf, immerhin kostet so ein Teil gut und gerne mal 500 bis 1000 €!

Kleiner Spoiler: Es wird vor allem um die Temperaturen beim Laden sowie beim Fahren und die sichere, schonende Lagerung gehen. Wenn ihr die Tipps lieber lesen möchtet, scrollt einfach weiter und ihr findet alles auch in Textform.

E-Bike-Akku überwintern - Drei Experten-Tipps gegen Tiefentladung und geringe Lebensdauer

Selbst entwickelt und produziert habe ich Akkus für E-Bikes oder Pedelecs zwar schon seit Längerem nicht mehr. Im Bereich After-Sales für E-Bike-Akkus hatte ich allerdings schon ziemlich viel mit Bike-Akkus zu tu. Diese Story könnt ihr übrigens ihn meinen Blogbeitrag „Was sich bei E-Bike-Akkus aus China in den letzten Jahren getan hat“ nachlesen. Aus vielen anderen Projekten habe auch schon eine Menge Erfahrung dazu sammeln können, wie sich Lithium-Ionen-Akkus bei kalten Temperaturen im Winter verhalten.

Hier sind also meine drei Tipps, wie ihr euren E-Bike Akku sicher überwintern könnt, damit ihr gut in die neue Fahrradsaison starten könnt.

Tipp 1 zum Überwintern von E-Bike-Akkus: bei den richtigen Temperaturen laden

Eine der wichtigsten Regeln im Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus ist es, ihn niemals bei Minustemperaturen zu laden. Wenn ihr also bei Temperaturen unter 0 °C mit dem E-Bike vom Einkaufen oder von der Arbeit zurückkommt, solltet ihr euren Akku nicht direkt wieder ans Ladegerät hängen.

Klar, nicht jeder ist bei so einer Kälte mit dem Fahrrad unterwegs. Den einen oder die andere sehe ich aber hin und wieder fleißig in die Pedale treten, wenn ich im Winter unterwegs bis.

Aber was kann überhaupt passieren, wenn ein Lithium-Ionen-Akku bei Minusgraden geladen wird?

Werfen wir doch einmal einen Blick in den Akku. Hier führt die Aufladung bei Minusgraden zur Bildung von feinen und spitzen Dendriten ausgehend von der Anode. Diese Dendriten sehen aus wie kleine spitze Berge oder Tropfsteine in einer Tropfsteinhöhle.

Stalaktiten in einer Tropfsteinhöhle
Schön in einer Höhle, gefährlich im Akku. Dendriten in einem Akku sehen ein bisschen aus wie Tropfsteine. Wenn sie den Separator durchstoßen, wird es gefährlich.
Bild: Davepape / Public domain

Und genau wie Tropfsteine wachsen auch die Dendriten in einer Akku-Zelle mit der Zeit und werden größer und größer.

Da dies ein schleichender Prozess ist, der kaum Auswirkungen auf die Performance des Akkus hat, merkt man eigentlich nicht, dass solche Dendriten im Akku wachsen. Doch spätestens dann, wenn die Dendriten den Separator durchstoßen, der eigentlich den Pluspol vom Minuspol trennt, bemerkt man etwas…

Und zwar, dass es ziemlich heiß wird! Der Kurzschluss im Akku kann nämlich zu einem Akkubrand und im schlimmsten Fall sogar zu einer Explosion führen.

Vermeidet es also auf jeden Fall, euren E-Bike-Akku bei Minusgraden zu laden und lasst ihn nach einer Fahrt in der Kälte vor dem Laden erst einmal ein wenig liegen und aufwärmen.

Die Hersteller von Akkuzellen empfehlen übrigens eine Temperatur von mindestens fünf Grad plus beim Laden. Und das nicht am Gehäuse gemessen, sondern im Inneren des Akkus.

Tipp 2: E-Bike-Akku bei der Fahrt warm halten

Wenn wir schon mal bei den Temperaturen sind, schauen wir uns als zweiten Punkt mal das Fahren im Winter an sich an.

Neulich habe ich einen kleinen Bericht gesehen, in dem vorgeschlagen wurde, den Akku im Winter am Fahrrad thermisch zu verkleiden. Dafür wurde dann tatsächlich so eine Art Neopren-Hülle für den E-Bike-Akku vorgeschlagen.

Zuerst dachte ich, dass das doch eher übertrieben ist. Denn immerhin sind die meisten Akkuzellen für eine Temperatur bis zu minus zwanzig Grad ausgelegt.

Im Extremfall könnte es aber schon mal in die Richtung gehen. Klar, wenn der Akku genutzt wird, erwärmt er sich im Inneren und alles scheint okay zu sein. Falls der Akku aber am Rahmen befestigt, schon voller Schnee und Matsch ist und eine längere Strecke abwärtsgefahren wird, könnte der eisige Fahrtwind den Akku schon noch einmal deutlich abkühlen. In solchen (zugegebenermaßen eher extremen) Situationen eine Thermo-Schutzhülle helfen, den Akku vor Schäden durch Kälte zu schützen.

E-Bike überwintern – Tipp 3: Akku im Winter richtig & sicher lagern

Beim dritten Tipp geht es um die richtige Lagerung des E-Bike-Akkus über den Winter. Am besten ist es, den Akku vom Fahrrad abzumontieren und bei einer Temperatur von ca. zwanzig Grad zu lagern.

Den E-Bike Akku getrennt vom Fahrrad zu überwintern, verhindert, dass die Elektronik dauerhaft kleine Ströme aus dem Akku zieht und ihn so über die kalten Monate leersaugt.

Apropos leergesaugt. Der Akku sollte nicht leergefahren eingelagert werden. Genauso wenig sinnvoll ist aber auch eine Lagerung bei 100 %. Am besten ist es, den Akku bei ca. 75 % zu lagern. Das ist ein guter Kompromiss zwischen Schonung und genügend Sicherheit gegen Tiefentladung.

Schaut gerne trotzdem alle paar Wochen mal nach, ob der Ladestand noch passt. Wenn er deutlich gesunken ist: einfach ein bisschen nachladen.

Auf diese Weise verhindert ihr, dass euer Akku in die Tiefentladung geht. Ein Lithium-Ionen-Akku entlädt sich nämlich selbst dann langsam selbst, wenn kein Verbraucher angeschlossen ist.

Ihr habt doch bestimmt auch schon von Bränden in privaten Wohnungen, Häusern und Garagen gehört, bei denen der E-Bike-Akku schuld war. Erst kürzlich gab es wieder so einen Fall, bei dem durch den Brand eines E-Bike-Akkus eine ganze Villa zerstört wurde. Ziemlich heftig.

Lithium-Ionen-Akkus sind absolut unberechenbar, deshalb sollte der Akku möglichst weit entfernt von brennbaren Materialien gelagert und geladen werden. Eine gute Idee ist so etwas wie eine Metallbox, in der ein E-Bike Akku sicher überwintern kann. 

Akku-Aufbewahrungsbox aus Metall mit Verschluss und Tragegriffen.
In so einer Metallbox lassen sich Akkus zusammen mit Löschgranulat sicher aufbewahren und überwintern.

Für einen guten Freund von mir habe ich mal eine solche Metallbox angefertigt. Sie hat einen Schnellspannverschluss, ein Loch, um ein Ladekabel in die Box zu führen und so viel Platz, dass man einen Akku mit Löschgranulat darin unterbringen kann. So könnte eine sichere Variante aussehen, um einen Akku zu lagern und zu laden.

Falls ihr euch auch für so eine Box interessiert, meldet euch doch einfach mal bei mir mit einer Mail an info@accundu.de oder das Kontaktformular.

Fazit: E-Bike-Akku richtig überwintern

So, nochmal kurz zusammengefasst!

  1. E-Bike-Akku nicht bei Minustemperaturen aufladen, sondern gegebenenfalls erstmal aufwärmen lassen.
  2. Wenn ihr im Winter unter Extrem-Bedingungen fahren möchtet, empfiehlt es sich, den Akku einzupacken.
  3. Achtet beim Einlagern auf die Raumtemperatur (ca. 20° C) und den Ladezustand (ca. 75 %) des Akkus. Eine Metallbox kann schwere Brände verhindern.

Wenn ihr noch weitere Tipps und Anregungen habt, dann schreibt mir gerne eine Mail (info@accundu.de oder über das Kontaktformular) oder schreibt in die YouTube-Kommentare unter dem Video zu diesem Beitrag.

Diesen Beitrag teilen!