Brandgefährlich: Akkus wiederbeleben

Brandgefährlich: Akkus wiederbeleben

Wenn man mit Lithium-Ionen-Akkus falsch umgeht, kann das (im wahrsten Sinne des Wortes) brandgefährlich sein. Das gilt besonders, wenn Lithium-Ionen-Akkus schon „tot“ also praktisch tiefentladen oder kaputt sind.

Letztens war ich auf YouTube unterwegs und ich war völlig schockiert, als ich gesehen habe, wie viele DIY-Videos und Tutorials es darüber gibt, wie man tote Lithium-Ionen-Akkus wieder zum Leben erwecken kann, und dass sehr viele Menschen diese Videos gesehen haben und auch noch toll finden! Dieses Video zum Beispiel hat in 2 Jahren 1,4 Millionen Aufrufe gesammelt und fast 12.000 Daumen-Hoch bekommen.

Auf so einen gefährlichen Unfug muss ich natürlich reagieren und das mache ich selbstverständlich auch in einem Video 😉 Schaut also rein, wenn ihr wissen wollt, warum ihr NIEMALS einen tiefentladenen oder kaputten Lithium-Ionen Akku wiederbeleben solltet. Für die lieben Leser, gibt es alles auch wieder in Textform. Scrollt also einfach ein wenig weiter.

Eine ganz miese Idee: Wiederbeleben von Lithium-Ionen-Akkus

Bei einem alten oder zu lang gelagerten Lithium-Ionen-Akku kann es zu einer Tiefentladung kommen. Die Spannung einer klassischen 18650er-Zelle liegt dann nicht mehr um die 3,5 Volt, sondern vielleicht nur bei 0,55 Volt, so wie bei der Zelle, die der Batterie Frankenstein in seinem gruseligen Video “zum Leben erweckt”.

Solche Lithium-Ionen-Akkus werden von Ladegeräten als defekt erkannt und nicht mehr aufgeladen. Und das ist auch gut so. Es ist nämlich schlichtweg gefährlich, einen solchen Akku wiederaufzuladen und weiter zu nutzen (mehr dazu gleich).

Umgeht man diesen Sicherheitscheck, indem man die Zelle beispielsweise mit einer geladenen funktionsfähigen Zelle parallelschaltet, passiert das (scheinbar) unmögliche: die tote Zelle bekommt neues Leben eingehaucht und lässt sich wieder an einem herkömmlichen Ladegerät aufladen.

Ein so wiederbelebter Akku ist jetzt aber nicht stärker und besser als je zuvor aus den ewigen Batterie-Jagdgründen zurückgekehrt, sondern ist sie zu einem brandgefährlichen Zombie-Zeitbomben-Akku geworden.

Um zu verstehen, was bei der „Wiederbelebung“ eines Lithium-Ionen-Akkus passiert, steigen wir ein wenig in die Zellchemie ein. Aber keine Sorge, das ist ziemlich einfach zu verstehen.

Schmematischer Aufbau einer Lithium-Ionen-Zelle. Pluspol aus Aluminium links, Minuspol aus Kupfer rechts, Separator in der Mitte. Zwischen den Polen befindet sich Elektrolyt mit Lithium-Ionen.
400Das Innenleben einer Lithium-Zelle. Gar nicht so schwierig, oder?
Bild: Cepheiden / CC BY-SA 2.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)

Im Inneren einer Lithium-Ionen-Zelle befindet sich eine Kupferfolie und eine Aluminiumfolie, das sind die Minus- und Pluspole. In der Mitte zwischen den Polen ist ein Separator. Denn wenn die Pole direkt miteinander verbunden wären, hätten wir ja direkt einen Kurzschluss. Dann haben wir in der Zelle noch einen Elektrolyten, in dem die Lithium-Ionen dann von links nach rechts oder von rechts nach links fließen, je nachdem ob gerade geladen oder entladen wird.

Wenn die Spannung einer Zelle jetzt unter 2,5 Volt fällt, weil sie tiefentladen ist, dann löst sich die Kupferfolie am Minuspol ein bisschen auf. Das Kupfer trennt sich von der Folie und schwimmt unkontrolliert irgendwo im Elektrolyt herum.

Wenn diese Zelle jetzt bei der „Wiederbelebung“ wieder mit Spannung versorgt wird, scheidet der Elektrolyt das Kupfer wieder ab und es wird zurück an die Folie gezogen. Das Problem ist, dass sich das Kupfer auf der Folie nicht wieder dort ablagert, wo es ursprünglich war. Es setzt sich einfach irgendwo ab. Und da die Folie von vorne herein nicht zu 100 % glatt und eben ist, kann es dadurch zu einer verstärkten Dendriten-Bildung in der Zelle kommen.

Stalaktiten in einer Tropfsteinhöhle
In einer Höhle wunderschön, in einem Akku brandgefährlich!
Bild: Davepape / Public domain

Diese Dendriten müsst ihr euch vorstellen wie dünne, lange Nadeln oder Tropfsteine, die von der Kupferfolie aus wachsen. Irgendwann durchstößt so ein Dedrit den Separator und dann besteht eine Verbindung zwischen den beiden Polen, wir haben den Kurzschluss und einen Brand.

Bei so einem wiederbelebten Lithium-Ionen Akku-Zombie ist der Kurzschluss also vorprogrammiert. Der passiert aber natürlich nicht sofort. Es kann ein paar Wochen oder sogar ein paar Monate dauern. Vielleicht habt ihr ganz vergessen, dass irgendeiner eurer Akkus so eine Zeitbombe ist und ganz plötzlich explodiert er dann…

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele von den Leuten, die das Youtube-Video gesehen haben und mit einer Akku-Wiederbelebung ein bisschen Geld sparen wollten, eine Explosion hatten, bei der sie sich schlimm verletzt haben oder das Haus abgebrannt ist.

Ich sage es also nochmal, falls das bisher nicht eindeutig rübergekommen ist: Lithium-Ionen Akkus wiederzubeleben ist eine ganz schlechte Idee, bei der Ihr euer Leben und das Leben eurer Familie gefährdet. Bitte macht das nicht zuhause nach!

Lithium-Ionen, aber sicher

Ich kümmere mich schon seit 15 Jahren um Akku-Entwicklungen und um die Sicherheit bei meinen Kunden. Damit ist verbinden wir die Zellen immer mit einer Schutzschaltung. Diese Schutzschaltung achtet darauf, dass die Spannung der Zellen 2,5 Volt nicht unterschreitet. Falls es doch mal dazu kommt, ist die Zelle defekt und der Akku lädt nicht mehr.

Manche meiner Kunden packen sogar noch eine weitere Steuerung an den Akku und setzen das Limit auf 3 Volt. Zusammen mit den Schutzschaltungen an den Zellen haben wir dann ein redundantes System und das ist dann einfach mal richtig sicher.

Falls du eine Akku- oder Batterielösung suchst, bei der du ein gutes Gefühl haben kannst, weil sie nach allen Regeln der Sicherheit entwickelt wurde, ruf mich doch einfach mal an oder schreibe mir in WhatsApp. Ich freue mich auf dich!

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